Ein Wachstumssektor: Die rumänische Landwirtschaft

Dezember 18th, 2007 by Gunnar

Im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern war Rumänien stets ein armes, agrar geprägtes Land. Die Gründe hierfür haben historische Ursachen: Neben einem starren Feudalwesen trat als weitere Ursache im Lauf der Geschichte die osmanische Herrschaft vor allem der Fanarioten. Zu einem ersten Industrialisierungsschub kam es nach 1850. Zwischen den beiden Weltkriegen kam es zu einem sehr schnellen Wachstum einiger Industriezweige durch staatl. Unterstützung. Vor allem die Branchen Erdöl, Chemie, Bauwesen, Metallurgie und Lebensmittelindustrie wuchsen.

Die rumänische Landwirtschaft

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einem aufgezwungenen Modernisierungssprung der kommunistischen Wirtschaftspolitik. Dies führte zu hohen, aber ungleich verteilten Wachstumsraten. Es entstanden Überkapazitäten in der Chemie-, Metall-, Maschinenbauindustrie. Die kommunistische Planwirtschaft vernachlässigte jedoch die Infrastruktur und Lebensmittelindustrie. Der Dienstleistungssektor blieb unterentwickelt. Im Laufe der Jahre wurde Rumänien dann auch immer mehr vom technologischen Fortschritt abgehängt. Eine miserable Arbeitsproduktivität, ein hoher Energieverbrauch und schlechte, kaum konkurrenzfähige Qualität wurden nur durch das eiserne Regime. Ceausescus zusammengehalten. Nach 1989 kam es zu einer drastischen Rezession.

Rumänien besitzt mit 15 Millionen Hektar die größte landwirtschaftliche Nutzfläche in Europa. Dennoch war der Import von Weizen, Mais, Kartoffeln und Zucker vor allem in den Jahren 1990 bis 1993 nötig. Etwa 41% aller Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft- in westlichen Ländern beträgt der Durchschnitt zwischen 3-5%. Die Produktivität ist schlecht: die gegenwärtigen Hektarerträge sind im osteuropäischen Vergleich mit am niedrigsten. Dies ist unter anderem bedingt durch eine schlechte Verteilung der Flächen: Wenige Großbauern besitzen die größten Flächen, die meisten Bauern nur kleine Flächen. Nach wie vor fließen Subventionen an unrentable Staatsbetriebe. Der Anteil der Viehzucht hat sich- wie in den meisten anderen mittel-und osteuropäischen Ländern auch- um 7 % verringert.

Anfang 1997 kam es zu einem notwendigen Liberalisierungsschub, der ab 1999 zu einem Wiederanstieg der Wirtschaftswachstumsrate führte. 1997 führte Rumänien mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide aus, was die seit 1995 wieder übernommene Rolle Rumäniens als Nettoausfuhrland von Getreide bestätigte.

Die Verschlechterung der Produktionsbedingungen (landwirtschaftliche Strukturen und Einfuhren) hat zu einem starken Anstieg der Maiserzeugung geführt. Aufgrund der ungeordneten wirtschaftlichen Situation, die auf die Privatisierungen folgte, ging auch die Zuckererzeugung zurück. Die Ölsaatenerzeugung hingegen erholte sich 1995 und ermöglichte 1996 eine knapp positive Nettohandelsbilanz. Rumänien ist ein traditioneller Weinerzeuger und die Ausfuhrmöglichkeiten (485.000 hl im Jahr 1996) führten zu einer beträchtlichen Vergrößerung der Weinbauflächen.

Die Milcherzeugung ist seit 1993 spürbar gestiegen und betrug 1997 mehr als 5 Mio. t. Der Rinderbestand ging 1997 weiter zurück, obwohl die Erzeugung wieder anstieg. Die Zahl der Schweine sank auch 1997, der Geflügelbestand und die -erzeugung stabilisierten sich hingegen in den letzten drei Jahren. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch beträgt 55 kg, wobei Schweinefleisch mehr als die Hälfte ausmacht (Quelle: EU-Kommission).

Posted in Das Land Rumänien | Kommentare deaktiviert

Comments are closed.